Wenn Ihre Katze verletzt ist und Sie beobachten, dass sie ihre Wunden leckt, fragen Sie sich vielleicht, ob und wann Sie das unterbinden sollten. Katzen lecken schließlich gern: die Soße ihres Futters, einander bei geselligem Zusammensein – und natürlich bei der täglichen Fellpflege. Diese ausgeprägte Reinlichkeit ist einer der Gründe, warum viele von uns so gerne mit Katzen zusammenleben.
Doch dieses an sich sympathische Verhalten kann in bestimmten Situationen problematisch sein. Wenn eine Katze eine Wunde oder eine Operationsstelle übermäßig pflegt, kann das die Heilung stören – was sowohl für die Katze als auch für ihre Halterin oder ihren Halter belastend sein kann.
Ist es gut oder schlecht, wenn eine Katze ihre Wunde leckt?
Es gilt allgemein als erwiesen, dass Katzen Wunden lecken, um die Heilung zu fördern – und ganz falsch ist das nicht. In freier Wildbahn leckt eine Katze eine offene Wunde, weil ihr schlicht keine andere Möglichkeit zur Verfügung steht, den Heilungsprozess zu unterstützen. So kann sie immerhin etwas dazu beitragen, die Stelle zu desinfizieren und eventuell Fremdkörper zu entfernen.
Heute jedoch haben unsere tierischen Mitbewohner zum Glück Zugang zu deutlich besserer tierärztlicher Versorgung. Wir wissen, dass sich im Maul von Katzen zahlreiche Bakterien befinden – sowohl an den Zähnen als auch im Speichel. Wenn eine Katze an einer offenen Wunde leckt, kann sie so Krankheitserreger in die Wunde einbringen. Genau das ist der Hauptgrund, warum Tierärztinnen und Tierärzte es vorziehen, wenn die Wundpflege nicht von der Katze selbst übernommen wird.
Katzen neigen mitunter auch zu zwanghaftem Verhalten. Wenn sie eine bestimmte Stelle übermäßig lecken oder putzen, kann das tatsächlich zu Reizungen oder Hautschäden führen. Wunden brauchen Zeit, um zu heilen – und ständiges Lecken stört diesen natürlichen Prozess und kann die Heilung erheblich verzögern.
Wann sollte ich meiner Katze das Lecken ihrer Wunden verbieten?
Das Lecken von Wunden sollte in den meisten Fällen unterbunden werden – denn wie bereits erwähnt, gibt es heute deutlich bessere Möglichkeiten, die Heilung unserer Katzen zu unterstützen. Die häufigsten Situationen, in denen Sie Ihre Katze vom Lecken abhalten sollten, sind:
1. Nach der Operation
Ganz gleich, ob Ihre Katze eine Routineoperation wie eine Kastration oder einen Notfalleingriff hinter sich hat – die Operationswunde wird in der Regel genäht oder geklammert. Manche Nähte lösen sich von selbst auf, oft müssen sie jedoch nach etwa 10 bis 14 Tagen entfernt werden, sobald die Haut gut verheilt ist.
Wenn Ihre Katze die Möglichkeit hat, an der Stelle zu lecken, kann sie dabei ihre Nähte beschädigen oder sogar frühzeitig herausziehen. Das kann zu Blutungen oder einer Wunddehiszenz führen – also dazu, dass die Wunde wieder aufgeht. Außerdem kann der Speichel der Katze Keime in eine eigentlich saubere, sterile Wunde einbringen und eine Infektion verursachen.
2. Trauma

Katzen würden in der freien Natur ihre Wunden lecken, um sie sauber zu halten, aber da tierärztliche Versorgung verfügbar ist, gibt es hygienischere Möglichkeiten als das Lecken.
Unfälle können jeder Katze passieren – auch wenn Freigängerkatzen deutlich häufiger Kratzer und Verletzungen davontragen. Sie können zum Beispiel mit den Beinen irgendwo hängen bleiben und sich aufschürfen oder schneiden, oder sich die Ballen an scharfen Gegenständen oder Draht verletzen.
In solchen Fällen ist Ihre Tierärztin oder Ihr Tierarzt immer die beste Anlaufstelle. Sie werden Ihnen auch raten, Ihre Katze davon abzuhalten, die Wunde zu lecken – denn dadurch kann sich der Zustand noch verschlechtern. Wenn schon etwas passiert ist, ist das an sich schon stressig genug – da muss die Katze es nicht auch noch durch ständiges Putzen verschlimmern.
3. Katzenkämpfe
Auch wenn es in Mehrkatzenhaushalten nicht ungewöhnlich ist, treten die meisten Katzenkämpfe zwischen benachbarten Tieren auf – besonders bei Freigängern ist das ein häufiges Problem. Die Bisse von Katzen hinterlassen oft kleine, kaum sichtbare Stichwunden, aus denen sich ein Abszess entwickeln kann – mitunter begleitet von hohem Fieber.
Die damit verbundenen Schmerzen oder das unangenehme Gefühl können dazu führen, dass Ihre Katze beginnt, die betroffene Stelle zu lecken. Das kann sogar eines der ersten Anzeichen sein, das Ihnen auffällt – selbst wenn äußerlich noch keine Schwellung oder Blutung zu sehen ist. Kampfwunden und Abszesse gehören in die Hände einer Tierärztin oder eines Tierarztes, da sie ohne professionelle Behandlung nur selten gut abheilen. Lassen Sie sich also nicht dazu verleiten, Ihre Katze „besser lecken“ zu lassen.
Die Beschwerden, die durch eine Wunde verursacht werden, können dazu führen, dass Ihre Katze beginnt, an der Stelle zu lecken. Dieses Verhalten kann – neben Anzeichen von Schmerz – eines der ersten Dinge sein, die Ihnen auffallen, selbst wenn äußerlich noch keine Schwellung oder Blutung zu sehen ist. Kampfwunden und Abszesse sollten immer tierärztlich behandelt werden, da sie ohne fachgerechte Versorgung in der Regel schlecht verheilen. Lassen Sie sich also nicht dazu verleiten, Ihre Katze durch Lecken „selbst heilen“ zu lassen.
Wie bringe ich meine Katze dazu, ihre Wunden nicht mehr zu lecken?
Es gibt einige bewährte Möglichkeiten, Ihre Katze davon abzuhalten, an ihrer Wunde zu lecken:
1. Das elisabethanische Halsband
Auch bekannt als „Lampenschirmhalsband“, „E-Halsband“ oder umgangssprachlich „Kegel der Schande“, ist dies die effektivste Methode, um das Lecken zu unterbinden. Dabei handelt es sich um einen festen Kunststoffkegel, der um den Hals der Katze gelegt wird und sie daran hindert, andere Körperstellen zu erreichen und zu putzen. E-Halsbänder lassen sich entweder am Halsband der Katze befestigen oder mit einem Verband fixieren.
Achten Sie dabei immer darauf, dass zwischen Verband und Hals Ihrer Katze zwei Finger Platz haben – so stellen Sie sicher, dass nichts zu eng sitzt. Manche Katzen sind allerdings ziemlich geschickt darin, den Kegel mit den Hinterpfoten herunterzukratzen. In solchen Fällen kann es hilfreich sein, das Halsband zusätzlich an einem gut sitzenden Katzengeschirr zu befestigen. Je nach Art und Lage der Wunde kann aber auch eine andere Methode besser geeignet sein, um das Lecken zu verhindern.
2. Weiche Halsbänder

Weiche Halsbänder erfreuen sich als Alternative zum Halskragen immer größerer Beliebtheit, um unerwünschtes Lecken zu verhindern.
Weiche Halsbänder – sozusagen die nächste Generation der klassischen Halskrausen aus der elisabethanischen Zeit – werden bei Tierhalterinnen und Tierhaltern immer beliebter. Sie gibt es entweder als aufblasbare Variante (vergleichbar mit einem kleinen Reisekissen, das um den Hals der Katze gelegt wird) oder als Stoffhalsband, das gerade vom Hals absteht.
Viele Katzen kommen mit diesen weicheren Varianten besser zurecht als mit den klassischen E-Halsbändern. Der Nachteil ist allerdings, dass manche Katzen trotz solcher Halsbänder immer noch an ihre Wunden gelangen. Besonders bei Pfotenverletzungen ist ein weiches Halsband oft nicht ausreichend, da bewegliche Katzen ihr Bein geschickt daran vorbeiführen können. Wichtig: Egal welches Halsband Sie verwenden – Ihre Katze sollte während dieser Zeit unbedingt im Haus bleiben. So vermeiden Sie gefährliche Situationen, in denen sie sich draußen etwa an einem Ast verfangen könnte.
3. Verbinden
Dies ist eine besonders gute Lösung bei Wunden an den Pfoten oder Ballen. Ein atmungsaktiver Verband kann über die betroffene Stelle gelegt werden, um sie vor unerwünschtem Lecken zu schützen. Zusätzlich lässt sich so auch eine Behandlung mit Salben, Cremes oder speziellen Wundauflagen unterstützen – was die Heilung deutlich fördern kann.
Wichtig ist, dass der Verband nicht so fest sitzt, dass die Durchblutung eingeschränkt wird. Außerdem muss er stets sauber und trocken bleiben. Ein feuchter oder verschmutzter Verband kann schlimmere Infektionen verursachen als gar kein Verband!
4. Ärmel/Onesies für Haustiere
Der wohl angenehmste Wundschutz überhaupt: Medizinische Einteiler für Haustiere sehen genau so aus, wie man sie sich vorstellt. Es gibt Modelle, die nur den Rumpf der Katze bedecken, sowie Varianten mit einem Ärmel, der gezielt ein bestimmtes Körperteil schützt.
Besonders gut eignen sie sich bei Wunden im Bauchbereich oder nach orthopädischen Eingriffen. Bei Pfotenverletzungen oder nässenden Wunden sind sie hingegen oft weniger geeignet. Viele Tierarztpraxen bieten solche Einteiler auf Wunsch an – allerdings sollten Sie dabei mit etwas höheren Kosten rechnen als bei den anderen vorgestellten Optionen.
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