Der Verlust eines Haustiers ist ein tragisches Ereignis. Häufig betrifft er die gesamte Familie – auch die Katze, die eine enge Beziehung zu dem verstorbenen Tier oder Menschen hatte.
Studien und Erfahrungsberichte von Tierhaltern zeigen, dass Katzen nach dem Verlust eines tierischen Gefährten oder eines Menschen ganz unterschiedlich reagieren können – sowohl mit positiven als auch negativen Verhaltensweisen. Es gibt aber auch Fälle, in denen keinerlei Veränderungen beobachtet wurden, was für trauernde Halter:innen irritierend oder sogar schmerzhaft sein kann. Ähnlich wie bei uns Menschen gibt es auch bei Katzen keine festgelegte Art zu trauern. Es lässt sich daher kaum vorhersagen, wie Ihre Katze auf den Verlust reagieren wird.
Wenn Sie kürzlich einen nahestehenden Menschen oder ein geliebtes Haustier verloren haben und den Eindruck haben, dass Ihre Katze trauert oder depressive Anzeichen zeigt, dann ist dieser Artikel für Sie gedacht.
Empfinden Katzen Trauer?

Wenn Ihre Katze humpelt, sollten Sie nicht automatisch davon ausgehen, dass es nur vorgetäuscht ist. Sie sind es Ihrer Katze schuldig, zuerst sicherzustellen, dass sie nicht tatsächlich verletzt ist.
In den vergangenen Jahrzehnten wurden bedeutende Fortschritte im Verständnis der kognitiven Fähigkeiten von Hunden erzielt. Im Vergleich dazu steckt die Forschung über Katzen noch in den Kinderschuhen. Dennoch ist belegt, dass Katzen echte Bindungen zu ihren Halter:innen und auch zu anderen Arten aufbauen können.
Was ihr Verhalten betrifft, deutet die Struktur des Katzengehirns darauf hin, dass Katzen stärker im Moment leben als wir Menschen – ohne bewusst über Vergangenes nachzudenken oder gezielt für die Zukunft zu planen.
Auch wenn Katzen ein ausgeprägtes Gefühlsleben besitzen, gelten komplexe Emotionen wie Eifersucht, Schuld, Empathie oder Trauer als nicht nachweisbar bei ihnen (Bradshaw, 2018). Das bedeutet jedoch nicht, dass Katzen keine engen Bindungen eingehen – im Gegenteil: Viele scheinen deutlich auf den Verlust eines vertrauten Menschen oder tierischen Gefährten zu reagieren. Dabei zeigen sie auffällige Verhaltensänderungen, die vermutlich durch das sogenannte Panik-Trauer-Motivationssystem beeinflusst werden.
Ursachen für Trauer bei Katzen

Einer der häufigsten Gründe für Trauer bei Katzen ist der Tod eines geliebten Hundes oder eines geliebten Haustiers. Dies kann Ihre Katze verstören und Trauer verursachen, insbesondere wenn sie den Tod des Tieres zu Hause miterlebt hat.
Trauer entsteht oft durch eine unerwartete Trennung von einem Menschen oder Tier, zu dem eine enge Bindung bestand. Zu den häufigsten Auslösern für Trauer zählen:
1. Unerwarteter Tod eines Wurfgeschwisters durch Krankheit/Unfall
Wurfgeschwister, die gemeinsam aufwachsen, entwickeln in der Regel eine besonders enge Bindung, die durch nichts ersetzt werden kann. Stirbt eines der Geschwister unerwartet – etwa durch Krankheit oder einen Unfall – hinterlässt das eine spürbare Lücke. Die zurückbleibende Katze sucht unter Umständen über Wochen hinweg nach dem fehlenden Geschwister und ruft nach ihm.
2. Neuvermittlung eines Katzengefährten
Selbst in Mehrkatzenhaushalten, in denen es regelmäßig zu Spannungen oder Aggressionen zwischen den Tieren kommt, kann der Verlust einer Mitkatze spürbar sein. In einem Fall verweigerte eine weibliche Katze nach dem Weggang ihrer Gefährtin die Nutzung des gemeinsamen Kratzbaums. Trotz der angespannten Beziehung suchte und beschnüffelte sie eine Woche lang jeden Raum und jeden Gegenstand, der mit der vermissten Katze in Verbindung stand.
3. Tod eines geliebten Haustiers
Der Tod eines geliebten Hundes oder eines anderen Haustiers kann bei Ihrer Katze Trauer auslösen – besonders dann, wenn sie den Sterbeprozess zu Hause miterlebt hat. Manche Katzen reagieren sensibel auf den Geruch des verstorbenen Tieres und meiden anschließend ängstlich den Raum, in dem ihr bester Freund gestorben ist.
4. Verlust eines Besitzers/Betreuers
Trauern Katzen um ihre Besitzer? Wir werden häufig darum gebeten, Katzen zu vermitteln, deren Halter:innen durch Krankheit verstorben sind oder die aufgrund eines Umzugs in eine Pflegeeinrichtung nicht mehr für ihr Tier sorgen können.
Katzen trauern in der Regel nur um ihnen nahestehende Bezugspersonen. In solchen Fällen ziehen sie sich oft aus dem sozialen Miteinander mit anderen Menschen zurück. Das zeigt sich unter anderem in auffälligen Veränderungen des Appetits und in vermehrten Lautäußerungen.
Eine depressive Katze ist zudem anfällig für Trennungsstress und Liebeskummer. Daher ist es wichtig, so bald wie möglich ein passendes neues Zuhause für sie zu finden.
5. Trauer der Katzenmutter über den Tod oder die Trennung ihrer Kätzchen
Der Tod von Kätzchen ist sowohl für die Halter:innen als auch für die Katze selbst eine belastende Erfahrung. Eine Mutterkatze trauert, wenn eines ihrer Jungen stirbt oder es zu einer vorzeitigen Trennung kommt. Daher ist es wichtig, dass der Entwöhnungsprozess auf natürliche Weise erfolgen kann.
Das Absetzen beeinflusst nicht nur das Säugen, sondern spielt auch eine zentrale Rolle für die Verhaltensentwicklung – etwa durch das Erlernen wichtiger Überlebensfähigkeiten. Die Ursachen für den frühen Tod von Kätzchen lassen sich nicht immer eindeutig feststellen. Umso wichtiger ist es, dass die Katze in dieser Phase möglichst ruhig bleibt, um Angst und Leid zu verringern.
Anzeichen und Symptome von Trauer bei Katzen

Trauer bei Katzen äußert sich normalerweise in drei Phasen: Ruhelosigkeit, Depression und Akzeptanz.
Aufgrund ihres rufes als Einzelgänger überrascht es manche Menschen, dass Katzen tiefe und bedeutsame Bindungen zueinander aufbauen können. Selbst Tiere, die scheinbar nicht gut miteinander auskommen, zeigen bei einer Trennung mitunter deutliche Anzeichen von Kummer.
Anekdotische Berichte und persönliche Erfahrungen von Halter:innen deuten darauf hin, dass sich die Verhaltensreaktion der zurückbleibenden Katze häufig in drei Phasen zeigt:
1. Erste Phase der Trauer

Katzen zur emotionalen Unterstützung helfen ihren Besitzern, mit Ängsten, PTSD, Depressionen und anderen geistigen Behinderungen umzugehen.
Diese Phase dauert in der Regel nur kurz an. Ihre Katze wirkt unruhig, miaut auffallend häufig, läuft suchend durchs Haus, schaut aus den Fenstern und schnüffelt in jedem Raum auf der Suche nach der vermissten Person.
2. Die zweite Phase ist mit einer Depression vergleichbar
In der zweiten Phase zieht sich Ihre Katze zurück, wirkt niedergeschlagen, schläft viel und zeigt wenig Interesse an ihrer Umgebung. Besonders sensible Tiere verlieren mitunter den Appetit und machen über mehrere Wochen einen geschwächten Eindruck. In solchen Fällen ist häufig tierärztliche Unterstützung nötig, um die gewohnten Fressgewohnheiten wiederherzustellen.
3. Die dritte Phase ist Akzeptanz
Die dritte und letzte Phase ist die der Akzeptanz, oft begleitet von spürbaren „Persönlichkeitsveränderungen“. Manche Katzen werden in dieser Zeit zugänglicher, anhänglicher und suchen verstärkt die Nähe ihrer Halter:innen. Andere hingegen zeigen sich lauter, aktiver und insgesamt lebhafter.
Wie lange trauern Katzen um eine andere Katze?
Es gibt keine einheitliche Reaktion auf einen Verlust. Einige Katzen zeigen über Tage, Wochen oder sogar Monate hinweg Anzeichen von Niedergeschlagenheit, während andere scheinbar gar nicht auf das Ereignis reagieren.
Wie kann man einer trauernden Katze helfen?
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie Sie einer trauernden Katze helfen können, den Verlust eines geliebten Menschen oder Tieres zu verarbeiten. Hilfreich ist es zunächst:
1. Behalten Sie die gleiche Routine bei

Spirituelle Bedeutung, wenn eine schwarze Katze zu Ihnen nach Hause kommt – Man glaubt, dass das Halten einer schwarzen Katze im Haus Ihnen sogar Schutz vor dunklen oder bösen Geistern bieten kann.
Behalten Sie die gewohnten Routinen Ihrer Katze so konstant wie möglich bei. Gerade in dieser Phase ist Verlässlichkeit besonders wichtig. Vermeiden Sie es, Decken, Schlafplätze oder persönliche Gegenstände der verstorbenen Katze übereilt zu entfernen – lassen Sie stattdessen den vertrauten Geruch nach und nach von selbst verfliegen.
Wenn Ihre Katze nur unregelmäßig frisst, sollten Sie das Futter nicht ständig wechseln, um keine zusätzliche Futtermäkeligkeit zu fördern. Erwärmen Sie das Futter leicht oder setzen Sie sich während der Mahlzeit ruhig neben sie.
2. Überschütten Sie Ihre Katze mit besonders viel Liebe und Fürsorge

Trocknen Sie Ihre Katze nach dem Baden mit einem warmen Handtuch ab.
Schenken Sie Ihrer zurückgebliebenen Katze besondere Aufmerksamkeit, Zuwendung und ganz viel Liebe! Erlauben Sie ihr, soziale Nähe aufzubauen – übertreiben Sie es jedoch nicht, da übermäßige Aufmerksamkeit Trennungsängste fördern kann.
Zeigen Sie Mitgefühl und sprechen Sie regelmäßig mit ihr – Katzen nehmen Ihre Stimmung sehr genau wahr. Bei Tieren, die Körperpflege mögen, kann sanftes Bürsten beruhigend wirken. Lenken Sie ihre Gedanken ab, indem Sie die Umgebung mit neuen Spielzeugen und kleinen Leckereien bereichern – zum Beispiel begleitet von entspannender Harfenmusik.
3. Tellington Touch anwenden
Wenden Sie abends – idealerweise vor dem Schlafengehen, wenn Ihre Katze entspannt ist – die Tellington-Touch-Methode an. TTouch wurde 1978 von Linda Tellington-Jones entwickelt und basiert auf einer speziellen Form der Berührung zwischen Mensch und Tier. Die sanften Techniken wirken auf das zentrale Nervensystem, fördern die Entspannung und können helfen, belastende Emotionen wie Stress und depressive Verstimmungen zu lindern.
4. Vermeiden Sie den Ersatz durch ein neues Kätzchen oder eine neue Katze
Die Trauer um ein eng verbundenes Wurfgeschwister kann sich über einen längeren Zeitraum hinziehen. Daher ist es während dieser sensiblen Phase keine gute Idee, ein neues Kätzchen oder einen Kater ins Zuhause zu holen. Die Reaktion auf ein neues Tier kann feindselig ausfallen, und eine ähnlich enge Bindung wie zuvor lässt sich meist nicht sofort oder gar nicht mehr herstellen.
Holen Sie nur dann eine weitere Katze dazu, wenn Sie selbst emotional bereit sind, ein neues Haustier aufzunehmen – nicht allein, um der trauernden Katze Gesellschaft zu leisten.
5. Nahrungsergänzung, Homöopathie und/oder Medikamente
Da Trauer anhalten kann, ist es wichtig, Ihrer Katze dabei zu helfen, Vergangenes loszulassen und nach vorn zu blicken. Dies kann – je nach Situation – durch Nahrungsergänzungsmittel, homöopathische Mittel oder gegebenenfalls Medikamente unterstützt werden. Wenden Sie sich dazu an eine:n ganzheitlich arbeitende:n Tierarzt oder Tierärztin in Ihrem Bundesland.
6. Treten Sie einer Selbsthilfegruppe bei, die sich mit dem Verlust Ihres Haustiers befasst
Wenn ein geliebtes Haustier stirbt, empfinden viele Halter:innen eine Trauer, die der über den Verlust eines nahestehenden Menschen gleichkommt. In dieser schweren Phase können Selbsthilfegruppen für Tiertrauer eine wertvolle Stütze sein. Sie bieten betroffenen Familien vorurteilsfreie Unterstützung und helfen dabei, den Schmerz gemeinsam zu verarbeiten.
Sie sind mit Ihrem Verlust nicht allein – Hilfe ist in greifbarer Nähe. Hier finden Sie einige empfohlene Hotlines und Anlaufstellen für Trauerbegleitung nach dem Tod eines Haustiers:
- Verlust eines Haustiers
- Trauerhilfezentren bei Tierverlust
- Hotlines für Tiertrauer und emotionale Unterstützung
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Atkinson, T. (2018). Praktisches Katzenverhalten. Wallingford, Oxfordshire, Großbritannien: CABI. Abgerufen am 05. November 2021
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Bradshaw, J. (2018). Normales Katzenverhalten und warum sich Problemverhalten entwickelt. Journal of Feline Medicine and Surgery, 20, 411-421. Abgerufen am 06. November 2021
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Care, IC (26. September 2018). Trauer bei Katzen. (iCatCare, Compiler) Großbritannien. Abgerufen am 07. November 2021 von https://icatcare.org/advice/feline-bereavement/
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Care, IC (2020, 15. September). Fortgeschrittenes Katzenverhalten für Veterinärfachleute, Modul 4 Was fühle ich und geht es mir gut? (ISFM, Compiler) UK. Abgerufen am 09. November 2021
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Heath, IR (2016). Verhaltensgesundheit und Wohlergehen von Katzen. St. Louis, MO: Elsevier. Abgerufen am 06. November 2021
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Heath, JB (2005). Verhaltensprobleme bei Kleintieren. Philadelphia: Elsevier Saunders. Abgerufen am 08. November 2021
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Jessica K. Walker, NK (2016). Wahrnehmung der Verhaltensreaktion von Besitzern auf den Verlust eines tierischen Begleiters. MDPI, 1-14. Abgerufen am 10. November 2021